Lindemann wird neuer Berichterstatter für Arzneimittel und Apotheken

Dass sich das Verhältnis zwischen FDP und Apotheken in letzter Zeit wieder verbessert hat, war nicht zuletzt das Verdienst von Andrew Ullmann, dem Berichterstatter für Arzneimittel/Apotheken in der FDP-Bundestagsfraktion. Doch nun übernimmt mit Lars Lindemann dieses Fachgebiet ein Politiker, von dem die Apotheken nicht Gutes erwarten können.  

Galt die FDP in früheren Zeiten aufgrund ihres Einsatzes für die Interessen der Freiberufler als „Apothekerpartei“, so ist das Verhältnis seit etlichen Jahren reichlich abgekühlt. Bestrebungen von FDP-Politikern, das Fremdbesitzverbot aufzuheben und den Arzneimittelversandhandel zu fördern, gipfelten beim Drei­königstreffen 2020 in der konkreten Aussage von Parteichef Christian Lindner, dass die FDP keine Apothekerpartei sei.

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Zwischenzeitlich hat sich die Lage wieder etwas entspannt, und dafür sorgte nicht zuletzt Andrew Ullmann, der mit Beginn dieser Legislaturperiode Berichterstatter für Arzneimittel/Apotheken seiner Bundestagsfraktion wurde. Der Facharzt für Innere Medizin und Universitätsprofessor zeichnete sich nicht nur durch Fachkompetenz aus, sondern hatte auch ein offenes Ohr für die Belange der Apotheker.

Zusammenarbeit mit DocMorris geplant

Doch nun dürften andere Zeiten anbrechen. Ullmann hat die Zuständigkeit für Arzneimittel/Apotheken abgegeben und neuer Berichterstatter ist Lars Lindemann. Den Apothekern ist dieser in unguter Erinnerung. Im Jahr 2019 kündigte der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa), der als Dachverband mehr als 160.000 in Deutschland tätige Fachärzte in Klinik und Praxis repräsentiert, eine Kooperation mit DocMorris an. Man wolle zukünftig „bei der Umsetzung von innovativen Lösungen in den Bereichen Arzneimitteltherapiesicherheit und E-Rezept“ kooperieren, im Zentrum der Zusammenarbeit solle ein Pilotprojekt zur Einführung des elektronischen Rezepts stehen. SpiFA-Geschäftsführer war seinerzeit Lindemann.

„Muss nicht an jeder Straßenecke eine Apotheke geben“

Zwar beteuerte dieser gegenüber der Ärzte Zeitung, es gehe „in keinster Weise darum, die freie Apothekenwahl einzuschränken“. Doch dass Lindemann keine allzu große Affinität zu den Vor-Ort-Apotheken hat, wurde schon zuvor deutlich. So äußerte er im Jahr 2012 während seiner Zeit als FDP-Abgeordneter im Bundestag anlässlich der geplanten Erhöhung des Apothekenhonorars in der „Welt“, dass man „eine Strukturbereinigung“ auf dem Apothekenmarkt brauche. „Es muss nicht an jeder Straßenecke eine Apotheke geben“, so Lindemann. „Es gibt mehr Apotheken als Tankstellen in Deutschland und mir ist kein Deutscher bekannt, der nicht wüsste, wie er rasch an Benzin käme.“

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Aber auch das Verhältnis Lindemanns zur Presse ist durchaus fragwürdig. Als DAZ.online ihn 2019 zur Kooperation mit DocMorris befragen wollte, lehnte Lindemann dies ab. Wörtlich schrieb er in seiner Mail: „Mit Blick auf den Inhalt und auch die offen zutage tretende Zielsetzung Ihrer bereits erfolgten Berichterstattung habe ich hier entschieden, dass Ihre an uns gerichteten Fragen derzeit unbeantwortet bleiben.“

Doch nicht nur die Apotheker sehen Lindemann kritisch. Als er 2017 eines der unabhängigen Mitglieder beim G-BA werden wollte, scheiterte seine Bewerbung. Einige Abgeordnete im Gesundheitsausschuss hegten wohl Zweifel an seiner Unabhängigkeit.

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