Work-Life-Balance: Arbeitnehmer machen im Homeoffice mehr Überstunden

Um die Verbreitung des Coronavirus zu vermeiden, gilt in Deutschland aktuell eine Kontaktsperre, zudem sind alle Menschen dazu aufgefordert, so viel wie möglich zu Hause zu bleiben.

Für viele Arbeitnehmer heißt das – sofern möglich – Homeoffice, also das Arbeiten von zu Hause aus.

Vor der Pandemie klang das für viele verlockend, nach mehr Freizeit und mehr Zeit für die Familie. Doch es wird deutlich: Homeoffice kann auch zur Belastung werden.

Diesen Eindruck sützt der Report des gewerkschaftsnahen Wirtschaft- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), der im vergangenen Jahr zeigte, dass viele Arbeitnehmer – insbesondere Frauen – zu Hause mehr Überstunden machen als am traditionellen Arbeitsplatz.

Flexibles Arbeiten geht zulasten der Beschäftigten

Grundlage des Reports sind regelmäßige Befragungen von 30.000 Menschen im Rahmen des Sozio-ökonomischen Panels. Für die Studie zog man die Daten von Haushalten heran, in denen mindestens ein Kind lebt.

Das Fazit von Studienautorin Yvonne Lott ist ernüchternd: „Freizeitgewinn mit flexiblen Arbeitsarrangements gibt es weder für Mütter noch für Väter. Flexibles Arbeiten geht insgesamt eher zu Lasten der Beschäftigten, und ganz besonders gilt das für Mütter.“

Mütter im Homeoffice arbeiten mehr

Mütter, die zu Hause oder flexibel arbeiten, kümmern sich durchschnittlich drei Stunden die Woche mehr um den Nachwuchs als solche, die zu festen Zeiten am Arbeitsplatz sind.

Doch nicht nur das, sie arbeiten auch mehr: Weil sie versuchen, viele Aufgaben unter einen Hut zu bekommen, springen am Ende mehr Stunden heraus als bei festgelegten Arbeitszeiten.

Bei Vätern ist das Gegenteil der Fall: Zwar neigen auch sie dazu, in Heimarbeit eher Überstunden zu machen als im Büro, doch werden diese in erster Linie in die eigene Karriere gesteckt, nicht in die Kinderbetreuung.

In der Tat kümmern sich Väter im Homeoffice weniger um ihre Kinder als solche, die jeden Tag an ihren Arbeitsplatz fahren.

Zurück zur klassischen Rollenverteilung

Lott sieht die Ursache für das Ungleichgewicht in der Kinderbetreuung bei Heimarbeit in der klassischen Rollenverteilung:

„Die traditionellen Geschlechterbilder, die in Gesellschaft und Betrieben häufig vorherrschen, unterstützen die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit in Partnerschaften.“

Frauen kämen auf über 20 Stunden Kinderbetreuung unter der Woche, bei Männern seien es weniger als zehn. Das sei aber nicht überall so, wie das Beispiel Schweden zeige.

„Da hier Geschlechterarrangements progressiver sind, sind flexible Arrangements im gleichen Maße mit häuslichen Tätigkeiten für Frauen und Männer verbunden.“ Die Folge: Arbeit wird besser verteilt, die Frauen entlastet.

Abhilfe sieht Lott einzig in einer bewusst gerechten Verteilung der Aufgaben. Gewonnene Freizeit müsse genau das sein und nicht in die eigene Karriere gesteckt werden.

Zudem regt sie eine verlängerte Elternzeit an, um Väter von Anfang an stärker in die Kinderbetreuung einzubinden.

Quelle

  • Lott, Yvonne (2019): WENIGER ARBEIT, MEHR FREIZEIT? Wofür Mütter und Väter flexible Arbeitsarrangements nutzen, abgerufen am 08.04.2020: https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_47_2019.pdf

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