Im Kampf gegen Corona hat Jens Spahn für 400 Millionen Euro Antikörper-Medikamente gekauft, die bisher kaum genutzt wurden. Eine neue Verordnung soll nun dafür sorgen, dass Antikörper-Mittel endlich breiter in Deutschland zum Einsatz kommen. Denn einige Präparate könnten nicht mehr lange haltbar sein.
Im Kampf gegen Corona gibt es neben Impfstoffen noch kein Heilmittel bei der Therapie von Covid-19. Hoffnungen ruhen deshalb unter anderem auch auf Antikörper-Medikamenten. Die gentechnologisch hergestellten, sogenannten monoklonalen, Antikörper können dabei helfen, eine Sars-CoV-2-Infektion abzuwehren und so potenziell einen schweren Verlauf verhindern.
Monoklonal deshalb, weil sie alle gleich sind und den Erreger und das Virus an der gleichen Stelle angreifen. Voraussetzung ist allerdings eine frühe Gabe, am besten innerhalb von drei Tagen nach der Infektion. Davon profitierte auch Ex-US-Präsident Donald Trump als er sich im vergangenen Jahr mitten im Wahlkampf mit Sars-CoV-2 infizierte und mit einem solchen Antikörper-Cocktail behandelt wurde. Surftipp: Alle Neuigkeiten zur Corona-Pandemie finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online
Bundesgesundheitsministerium hat 200.000 Dosen bestellt
Auch das Bundesgesundheitsministerium setzt große Hoffnung auf Antikörper-Medikamente. Zumal die Impfkampagne aufgrund knapper Impfstoffressourcen in Deutschland viel zu langsam verläuft. Bereits Ende Januar bestellte das Bundesgesundheitsministerium daher 200.000 Dosen verschiedener Antikörper-Präparate für insgesamt 400 Millionen Euro.
Es handelte sich dabei um die Produkte "Casirivimab/Imdevimab" des US-Herstellers Regeneron sowie um "Bamlanivimab" vom US-Pharmaunternehmen Eli Lilly. Letzterem wurde inzwischen die Notfallzulassung in den USA wieder entzogen, weil es gegen Virus-Varianten nicht wirksam sei. In der EU sind beide Präparate nicht zugelassen, Prüfverfahren laufen aber derzeit.
Bisher nur 1700 von 200.000 Dosen in Deutschland verabreicht
In Deutschland sollte eine Anwendung dieser Präparate seit Februar zunächst in Unikliniken nach individueller Nutzen-Risiko-Abschätzung der behandelnden Ärzte erfolgen. Dennoch kommen diese Präparate kaum bei uns zum Einsatz. Laut Bundesgesundheitsministerium seien bisher nur 1700 Dosen verabreicht worden.
Ein Grund dafür sei, dass der Einsatz für viele Covid-19-Patienten gar nicht mehr in Frage komme, wenn Sie mit Symptomen ins Krankenhaus kommen, sagte der Infektiologe und Immunologe Leif Erik Sander von der Berliner Charité laut einem Bericht in der "Welt". So seien bisher meistens nur Patienten damit behandelt worden, die bereits wegen Krebs oder anderen kritischen Erkrankungen im Krankenhaus waren und sich dort oder kurz vor der Einlieferung angesteckt haben.
Auch laut Clemens Wendtner, Infektiologe von der München Klinik Schwabing, sei zumindest "Bamlanivimab" in der Realität kaum in den Kliniken zum Einsatz gekommen. „Das ist nicht der Blockbuster, der ständig aus dem Apotheken-Schrank gezogen wird.“ Das Mittel dürfe nur ganz bestimmten Patienten verabreicht werden und könne eine schwere Immunreaktion bis zum allergischen Schock auslösen.
Alle, die es brauchen sollen nun monoklonale Antikörper bekommen
Ein weiterer Grund für den geringen Einsatz ist aber nicht, dass wenige Kliniken die Antikörper-Präparate bisher erhielten, andere Kliniken konnten nur unter großem bürokratischen Aufwand die Mittel in den Krankenhausapotheken dieser Kliniken bestellen. Ärzte und Patienten außerhalb von Kliniken hatten keine Möglichkeit die Medikamente zu bekommen.
Das soll sich nun aber ändern. Laut einer neuen Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums, die am 22. April im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde, sollen die vom Bund beschafften Antikörper-Mittel nun allen Patienten und Patientinnen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, wenn die Anwendung medizinisch indiziert sei, heißt es darin.
Haltbarkeitsdatum der Mittel bald überschritten
Wie die "Welt" berichtet, sei ein Grund für die neue Verordnung, dass die in den Klinikapotheken lagernden Mittel teilweise bereits im Oktober ablaufen würden, also die Haltbarkeit überschreiten. Rund ein Fünftel der Dosen sei wahrscheinlich schon früher nicht mehr einsetzbar, schreibt das Blatt.
Von dem Mittel Bamlanivimab, das vor ein paar Tagen die Zulassung in den USA verlor, sollen angeblich noch 35.000 Dosen in Deutschland lagern, berichtet die "Welt" weiter. Noch sind die Mutationen gegen die es in den USA nicht mehr wirkt, nicht in Deutschland im Umlauf.
Angesichts möglicher Resistenzen beschafft das Bundesgesundheitsministerium derzeit auf Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) weitere Antikörper-Medikamente, die voraussichtlich Ende April zu Verfügung stehen.
Viele Hausarztpraxen könnten Antikörper gar nicht einsetzen
Der Einsatz dieser Präparate ist nicht ungefährlich und kann zu schweren allergischen Reaktionen führen. Deshalb müssen Patienten, die diese Mittel erhalten auch genauestens überwacht werden. Ob dies beispielsweise Hausarztpraxen leisten könnten, halten Experten für fraglich. "Die große Mehrzahl der Praxen und Krankenhäuser werden die Gabe logistisch gar nicht hinbekommen", zitiert die "Welt" den Intensivmediziner Stefan Kluge vom Hamburger Klinikum Eppendorf. Sie könnten an Personal und Mangel an Räumlichkeiten scheitern.
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