Trockener Husten, Fieber, Atemprobleme – mittlerweile konnte nachgewiesen werden, dass sich das auslösende Sars-CoV-2 Virus vor allem im Rachen ansammelt und anschließend auf die Lunge übergeht.
Besonders für ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Problemen, Diabetes, Bluthochdruck oder Krebs kann Covid-19 sehr gefährlich werden.
Bei vielen Patienten, die mit schweren Krankheitsverläufen zu kämpfen haben, löst das neuartige Coronaviurs eine Lungenentzündung aus, wordurch es zur Atemnot und in der Folge – vor allem bei Risikogruppen – auch zum Tod kommen kann.
Mittlerweile geben verschiedene Studien Hinweise darauf, dass das Coronavirus darüber hinaus auch den Herzmuskel stark schädigen kann.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern Mortalität
Symptome, Verbreitung, Inkubationszeit – Forscher, Wissenschaftler, Virologen und Co. lernen immer mehr über das neuartige .
Zwar kommt es mittlerweile auch bei jüngeren, gesunden Menschen zu einem schweren Krankheitsverlauf, die schlimmsten Symptome wurden aber weiterhin bei Risikopatienten festgestellt – hier führten Vorerkrankungen in Kombination mit Sars-CoV-2 häufiger zum Tod.
Beispielsweise liegt die Mortalität von Covid-19-Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck bei 10,5 Prozent, was Experten zufolge als hoch einzuschätzen ist.
Wissenschaftler erklärten sich diese Sterberate bisher dadurch, dass Atemnot auch dazu führt, dass das Herz mehr Leistung erbringen muss, um den wenigen Sauerstoff durch den Körper zu pumpen – ein bereits geschwächtes Herz kann dies nur schwer bewältigen.
Verschiedene Studien aus China und Italien lassen jetzt allerdings vermuten, dass das Virus selbst akute Schäden am Herzmuskel verursachen kann.
Biomarker Troponin deutet auf ein geschädigtes Herz hin
Bei Viren, die mit dem aktuell hochinfektiösen Coronavirus eng verwandt sind, konnten in der Vergangenheit akute Herzschädigungen nachgewiesen werden – Sars-CoV und Mers-CoV verursachten ebenfalls starke Schäden des Herzmuskels.
In den aktuellen Studien zeigt sich nun, dass Patienten mit schweren Verläufen der Coronavirus-Infektion häufig erhöhte Werte des Biomarkers Troponin im Blut aufweisen – dieser wird von zerstörten und sterbenden Herzmuskelzellen freigesetzt.
Experten sehen in diesen erhöhten Werten einen möglichen Nachweis dafür, dass die Infektion auch das Herz angreift – bisher konnte allerdings noch nicht genau geklärt werden, auf welchem Wege diese Schädigung zu Stande kommt.
Patientin entwickelt Herzmuskelentzündung
In einer italienischen Studie konnten Forscher um Riccardo Inciardi von der Universität Brescia einen direkten Bezug zwischen dem Coronavirus und einer Schädigung des Herzens herstellen.
Die Wissenschaftler beschäftigten sich mit einer gesunden 53-jährigen Frau, die sich mit Sars-CoV-2 infiziert hatte – zunächst entwickelte die Patientin die klassischen Symptome wie trockenen Husten und Fieber.
Als sie nach etwa einer Woche der Symptome mit einer starken Erschöpfung und Kreislaufproblemen zu kämpfen hatte, lies sie sich im Krankenhaus untersuchen, wo sie positiv auf Covid-19 getestet wurde.
Untersuchungen in der Kardiologie zeigten schließlich, dass die Patientin deutliche Anzeichen einer akuten Myocarditis zeigte – sie war an einer Herzmuskelentzündung erkrankt.
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Inciardi und seine Kollegen berichten: „Dieser Fall unterstreicht, dass das Herz als Komplikation von Covid-19 betroffen sein kann – und das selbst ohne klare Symptome und ohne eine Lungenentzündung.“
Mohammad Madjid von der University of Texas ist Autor einer Überblicksstudie und stimmt diesen Aussagen zu: „Es ist wahrscheinlich, dass der Herzmuskel selbst in Abwesenheit einer vorhergehenden Herzerkrankung durch das Coronavirus und die von ihm ausgelöste Krankheit beeinträchtigt wird.“
Studie belegt entzündliche Erkrankungen des Herzmuskels
Auch eine Studie aus China deutet an, dass die Erkrankung nicht nur Symptome bei der Atmung und verbundene Entzündungsreaktionen hervorruft, sondern auch den Herzmuskel schädigen kann.
Ein Team der Universität Wuhan stellte auf Basis von 416 Patienten fest, dass bei knapp 20 Prozent Belege für myokardiale Schäden vorlagen – also entzündliche Erkrankungen des Herzmuskels.
Wenn ein Patient diese Schädigungen des Herzmuskels aufwies, erhöhte sich damit das Risiko signifikant, an Covid-19 zu sterben. Von den Patienten, die keine erhöhten Troponin-Werte oder andere Belege für Herzmuskelschäden zeigten, starben nur 4,5 Prozent.
Auch eine weitere Studie mit 187 Patienten ergab bei Personen mit Hinweisen auf Herzmuskelschäden eine Sterberate von 59,6 Prozent – dahingegen starben nur 8,9 Prozent der Patienten mit einem normalen Troponin-Spiegeln im Blut.
Gesteigerte Sterberate auch ohne Vorerkrankung
Über die Hälfte der Patienten mit Herzmuskelschäden hatten also ein erhöhtes Risiko, an der Corona-Infektion zu sterben. Patienten, bei denen der Biomarker Troponin nicht im Blut nachgewiesen werden konnte, haben diesen Erkenntnissen zufolge offenbar ein geringeres Sterberisiko.
Robert Bonow von der Northwestern University schreibt in einembegleitenden Editorial im Fachmagazin ‚JAMA Network‘: „Bemerkenswert ist, dass zwar die höchsten Mortalitätsraten bei den Patienten beobachtet wurden, die hohe Troponin-Werte und kardiovaskuläre Vorerkrankungen hatten, aber die Mortalitätsraten auch bei denen erheblich war, die erhöhte Troponinwerte ohne solche Vorerkrankungen hatten.“
Zusätzlich erklärt der Experte, dass bishlang noch nicht klar ist, welche konkreten Mechanismen und Zusammenhänge hinter diesem Effekt stehen.
Weitere Studien müssen zeigen, was genau dafür sorgt, dass der Herzmuskel vom Coronavirus angegriffen wird – und bei welchen Patienten.
Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel enthalten lediglich allgemeine Hinweise. Zur Abklärung eines gesundheitlichen Problems empfehlen wir den Besuch bei ausgebildeten und anerkannten Ärzten.
Quellen
- Inciardi, R. et al. (2020): Cardiac Involvement in a Patient With Coronavirus Disease 2019 (COVID-19), abgerufen am 06.04.2020 https://jamanetwork.com/journals/jamacardiology/fullarticle/2763843
- Shi, S. et al. (2020): Association of Cardiac Injury With Mortality in Hospitalized Patients With COVID-19 in Wuhan, China, abgerufen am 06.04.2020 https://jamanetwork.com/journals/jamacardiology/fullarticle/2763524
- Bonow, R. et al. (2020): Association of Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) With Myocardial Injury and Mortality, abgerufen am 06.04.2020 https://jamanetwork.com/journals/jamacardiology/fullarticle/2763844
Antonia Hagedorn
*Der Beitrag „Neuer Krankheitsverlauf: Coronavirus kann auch den Herzmuskel angreifen“ wird veröffentlicht von FitForFun. Kontakt zum Verantwortlichen hier.
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